HEMA wird im deutschen Sprachraum auch oft als „historisches Fechten“ oder „Historische Kampfkünste Europas“ bezeichnet. Es steht für:

H istorical

E uropean

M artial

A rts

Wörtlich übersetzt also „Historische europäische Kampfküste“. Im Prinzip geht es darum, Kampfstile aus der europäischen Geschichte wiederzubeleben und als Sport oder Kampfkunst auszuüben.

Die meisten dieser Stile sind in Form von Büchern oder Manuskripten überliefert. Viele davon wurden von Militärs oder Fechtmeistern verfasst. Da HEMA den gesamten europäischen Raum über einen jahrhundertelangen Zeitraum umfasst, enthält es sehr, sehr viele Waffen und Stile. Hier eine Auswahl mit unseren persönlichen Favoriten:

  • Schwert mit Faustschild wie bei I.33
  • historische Ringtechniken von Fiore dei Liberi
  • einhändig geführte Schwerter wie in unserem Stil – der sogenannten Bologneser Schule wie bei Achille Marozzo
  • Zweihändige, große Schwerter wie das iberische Montante oder das Bologneser Spadone
  • Rapier mit Dolch nach Meistern wie Fabris oder Giganti
  • Selbstverteidigung mit einem Gehstock wie im Bartitsu des 19. Jahrhunderts
  • historisches Kickboxen nach Charlemont

Zurück in die Gegenwart: Am beliebtesten ist heute weltweit das Fechten mit dem sogenannten Langschwert oder Langem Schwert. Meistens wird nach den Lehren des Fechtmeisters Liechtenauer oder dem Fechtbuch von Fiore dei Liberi trainiert. Verwendet werden dafür spezielle Simulatoren, nämlich sogenannte „Fechtfedern“. Weitere weit verbreitete Waffen in der HEMA-Szene neben dem Langen Schwert sind der Säbel und das Rapier.

Links: Fechten mit Schwert und Faustschild in einem Manuskript von ca. 1300 (I.33); Rechts: Historisches franz. Kickboxen nach Charlemont 1899

Holzschnitt aus dem Buch des Fechtmeisters Achille Marozzo (1536)

HEMA grenzt sich von verwandten Bereichen wie Olympischen FechtenReenactmentLARP oder gerüstetem Vollkontakt-Kampf ab, wird aber immer noch oft mit ihnen verwechselt. Das Historisches Fechten versteht sich als sportliche Tätigkeit und Kampfkunst. HEMA-Vereine rekonstruieren Techniken aus den verfügbaren Quellen und trainieren die Ausführungen in Form von beispielsweise Partnerübungen oder Drills. Da inzwischen auch genügen Ausrüstung für HEMA verfügbar ist, kann Freikampf bzw. Sparring in Schutzausrüstung betrieben werden. Diese Entwicklung setzte den Startschuss für eine wachsende Turnierszene.

HEMA in Österreich

Etwa ab den 90ern gab es in Österreich die ersten Menschen, die sich mit HEMA befassten. Ein großes Thema war vor allem mittelalterlicher Schwertkampf. Als namhafte Persönlichkeiten und Vereine sind hier beispielsweise Ars Gladii und Herbert Schmidt (Q1Q2), sowie Drenyschlag (auch „Die Liechtenauer Fechter“ genannt) und erste Mitglieder wie Harald Winter zu nennen.

Gemeinsam mit den Vereinen Rittersporn und Klingenspiel wurde 2004 der österreichische Fachverband für Historisches Fechten gegründet. Der Verband umfasst inzwischen österreichweit um die 30 Vereine (Stand Juni 2026).

Parallel dazu starteten unsere Vereinsgründer ihre ersten HEMA-Trainings. Sie trafen sich in Parks und experimentierten mit den Techniken italienischer Fechtbücher aus dem 16. Jahrhundert. Nur drei Jahre später, nämlich 2007, wurde unser Verein Fior della Spada offiziell ins Leben gerufen.

Noch im selben Jahr trat der Verein dem Fachverband bei. Bis heute sind wir im deutschen Sprachraum der einzige und europaweit einer der wenigen HEMA-Vereine, die sich ausschließlich mit den Fechtstilen der italienischen Renaissance in Bologna befassen.

Wie wir historisches Fechten leben

Unser Verein Fior della Spada rekonstruiert und lehrt das Kämpfen nach der so genannten „Bologneser Schule“ oder „Bologneser Tradition“. Dabei handelt es sich um einen Fechtstil und Bewaffnungen, die im Italien der Renaissance (ca. 1500-1600) üblich waren.

Unsere Trainer orientieren sich dabei hauptsächlich an den Fechtbüchern und Texten von

Ergänzend dazu gibt es noch weitere Quellen,d ie wir gerne anzapfen wie Anonimo Riccardiano oder Pietro Monte. Auf unserer Homepage finden sich die bisher einzigen deutschen Übersetzungen von Marozzo und Anonimo Bolognese, sowie Anonimo Riccardiano.

Waffen & Training

Den Kern unserer Kampfkunst bildet der Umgang mit dem „Spada da Filo“ (wörtlich etwa „Schwert mit [scharfer] Schneide“), eine einhändig geführte Hieb- und Stichwaffe. Im modernen HEMA wird unser Schwert oft auch als „Seitschwert“ (EN: sidesword, IT: spada da lato) bezeichent, um es von anderen Schwerttypen unterscheiden zu können.

Mit dieser Waffe werden Fechtbasis und Grundprinzipien des Stils erlernt. Die Bologneser Schule umfasst weiters verschiedene Beiwaffen und andere Bewaffnungen:

  • TargaBrocchieroRotella und Imbracciatura (= verschiedene Schildtypen)
  • Pugnale (= Dolch)
  • Cappa (= Mantel)
  • Arme Inastate (= Stangenwaffen)
  • Due Spade (= zwei Schwerter)
  • Spadone (= großes Zweihandschwert)

Trainiert wird mit Waffensimulatoren, also stumpfen Nachbildungen der Originale. Bei manchen Übungen und im Freikampf wird aus Sicherheitsgründen Schutzausrüstung getragen.

Wir halten Sportlichkeit für eine zentrale Säule unseres Vereinslebens. Uns ist es aber wichtig, historisches Fechten nicht als rein sportliche, wettkampforientierte Disziplin zu verstehen. Unser Ziel ist die Ausübung einer historischen Kampfkunst und das Begreifen derselben in ihrem ursprünglichen Kontext. Gleichzeitig nutzen wir moderne Trainingsmethoden und sportwissenschaftliche Erkenntnisse, um effektiv und sicher am Puls der Zeit zu trainieren.

Wir sind also ein bunter Haufen sportbegeisterter und historisch interessierter Kämpfer:innen jeden Alters, vereint durch die Faszination für die europäische Kampfkunst der Bologneser Renaissance. Unser kleiner, ehrenamtlich geführter Verein in Wien ist dabei mehr als nur ein Trainingsort, er ist unser sportliches und fechterisches zuhause.

Also, was ist HEMA?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass HEMA weit mehr ist als nur „historisches Fechten“: Es verbindet die wissenschaftliche Rekonstruktion überlieferter europäischer Kampfkünste mit modernem, sicherem Training und sportlicher Praxis. Am Beispiel unseres Vereins Fior della Spada wird deutlich, wie diese Tradition lebendig gehalten wird: mit einem klaren Fokus auf die Bologneser Schule der italienischen Renaissance, fundierter Quellenarbeit und einer starken Gemeinschaft. So entsteht eine einzigartige Mischung aus Geschichte, Bewegung und persönlicher Entwicklung, die HEMA nicht nur zu einem vielseitigen Sport, sondern zu einer gelebten Kampfkunst macht.