Philosophische Betrachtungen

Also ich sage, dass es für diejenigen, die die Würde des Seins in dieser höchst edlen Kunst des Fechtens bewahren wollen nötig ist, die notwendigen Vorbereitungen zu treffen, die unten geschrieben sind. Als erstes sich mit Eifer zu bekleiden und einer wunderbaren Ausdauer und Eifer und Ausdauer müssen begleitet werden von großer Mühe und diese große Mühe bedarf guter Geduld und diese Geduld bedarf der Begeisterung. Diese Begeisterung kannst du aber nicht anders haben als über Erkenntnis und diese Erkenntnis bedarf der Begründung und diese Begründung bedarf der Entfaltung und diese Entfaltung muss begleitet werden von einem Geist der Klugheit und diese Klugheit muss begleitet werden von Wissenschaft und wenn du zu dieser Klugheit und Wissenschaft kommst, wirst du zu Sachverstand kommen.

Wer sich aber erfreuen an, oder der höchst genialen Kunst des Fechtens oder der Waffen folgen will, dem müssen die unten geschriebenen Umstände fremd sein und es darf kein Funken Angst in ihm sein, weil feststeht, dass derjenige niemals eine Schlacht gewinnt oder einen triumphalen Sieg erringt, der ängstlich ist. Denn die Wurzeln von Pflanzen bringen auch keine bösartigen Äste und verdorbenen Früchte hervor, noch findest du sie jemals kühl wenn sie nicht voller Fehler sind. Das Empfinden  für diese Kunst bedarf nicht der Demonstration von Demut oder Nächstenliebe, noch des Mitleids oder irgendwelchen Zartgefühls oder dumm oder faul zu sein. Deshalb vermindern jene, die bei der Ausführung dieser Disziplin auf Zartgefühl, Sanftheit und Nächstenliebe achten ihre Ehre und vermehren ihre Schande. Und weil das dauernde Stehen zu den eigenen Gedanken und Handlungen sie ängstigt wie die Spuren ihres Handelns, erbringen sie nur geringe Arbeit und haben nicht die Tugend oder Macht für den schrecklichen Kampf, denn der Mann, der sich zum Diener macht, indem er auf Feinheiten der Demut achtet, vergeht wie Tau in der Sonne oder eitel Fabel.

Man kann also annehmen, dass diese geniale Kunst des Fechtens dieser Gefühle nicht bedarf, die wir im oberen Kapitel aufgezählt haben, im Gegensatz zu denjenigen, die solches in ihrer Weisheit als notwendige Verschönerungen der Person ansehen, wie Edelsteine oder pures Gold, und gleichermaßen den Geruch der Angst an sich haben, nackt und jungfräulich, und in jeder tristen Fantasie allem fremd. Die wahre Tugend ihrer Kunst besteht in Furcht, dabei tragen sie in sich die größte Grausamkeit und sehen in allen das Brennen und Lodern der Flammen und zeigen sich selbst blind vor Stolz und nackter Frömmigkeit, und in jeder Tat von geringster Achtung um grausam zu verletzen und gehen so mit dem großen Stolz des Rechtschaffenen gegen einen vor, so dass jeder kleine Fetzen angesehen wird als Plage und große Geißel; und sie meinen, dass der leichteste Hieb ausreicht, um große Furcht zu erzeugen und meinen, dass die Kunst in Taten liege, wie einem wilden Löwen die Stirn zu bieten oder einem mächtigen Bären oder dem großen Teufel selbst und zeigen, dass also auch der Tod nützlich ist.

Wenn man diese schöne und geniale Kunst des Fechtens ausübt, muss man mit vier grundlegenden Eigenschaften ausgestattet sein, die wichtiger als alle anderen sind: Geist, Verstand, Kraft und Geschicklichkeit. Und für den, der diese vier Qualitäten ins sich trägt ist es unmöglich, große Schande über sich zu bringen, denn wenn einer, bei dem diese Qualitäten sich treffen auf einen trifft, dem sie fehlen, wird dieser niemals glauben dürfen, siegen zu können. Und es wird nicht nötig sein, dass er zeigt, alle diese Teile zu besitzen, vielmehr wird es eine Art Voraussicht in ihm sein, ein weiterer Vorteil gegenüber seinem Gegner der weniger als diese vorgenannten vier hat, wenn nicht andere Gründe bereits dazu geführt haben, dass die Schlacht so lang gezogen wurde, bar jener vier Qualitäten. Und wer diese Qualitäten aber hat, macht diese Kunst reich an Ehre und Ruhm weil die Disziplin jener martialischen Gebräuche die Doktrin der Freien Künste zeigt und verständig sind die, die diese Prinzipien mit Früchten schmücken indem sie sich durch die Erkenntnis ihrer großen Wirkung leiten lassen. Diese Prinzipien sind Geist, Intelligenz, Kraft und Geschicklichkeit welche die Pflanzen sind, die Früchte tragen, denn der Ruhm des Geistes ist es, Verstand zu haben und will man dem Verstand eine Krone aufsetzen, wie die eines mächtigen Auerochsen, muss sie Stärke begleiten und will man diese Stärke mit reichen Gewändern bekleiden und ihr die Quelle des Lebens geben, muss man sie begleiten mit der wahren Basis intelligenter Geschicklichkeit welche diese Kunst ist und der Schmuck der Gesundheit.

Du musst wissen, dass alle diese Teile die hauptsächlichen sind und die wertvollsten, die du in solch einer Kunst haben kannst. Keineswegs hört es aber damit auf, sie müssen begleitet werden von einer anderen Tugend, die von größerer Würde als alle anderen ist, welche ist, ein gutes Auge (Anmk. d. Übers.: gutes Äußeres/Auftreten) zu haben, und dabei generelle und sanfte Manieren, welche nicht nur an seiner eigenen Person nötig sind sondern auch jedem anderen gegenüber, und so ist sie die Verschönerung jeder Person wie die Sterne der Schmuck des weiten Himmelszelts sind und die Blüten die der grünen Wiesen des Frühlings, also ist sie lobenswert. Wenn die Augen über einen Spieler in Waffen wandern, so ist diese Tugend mehr als alle anderen Verschönerungen sichtbar, welches ein machtvoller Schmuck des Körpers ist, hoch geschätzt und jeder Mann ist geehrt wenn er mit gutem Gemüt von jedem universell geehrt wird, denn das Licht kommt vom Himmel und hat mehr Macht als alle anderen Sinne, da bei denjenigen, bei denen diese Tugend nicht sichtbar ist, es nicht schlimmer kommen könnte und wegen dieser Anziehung ist sie der wertvollste Teil der in jeder Person ist und für mich selbst eine der schönsten der Welt.

Warum ist es unter ehrenwerten Männern besser zu sterben, als ohne Tugend in der Welt zu leben und erscheint ihnen Ehre deutlich wichtiger als Vorsicht, und tapfere Männer von Mut und Verstand geben sich große Mühe, wenn sie sich an der Disziplin der Tugend dieser sinnreichen Kunst des Fechtens erfreuen, der Ehre den größten Respekt entgegenzubringen, sodass man Tugendhafte hat, die sich ein paar Mal daran erfreuen. Hingegen erfreuen sich die Unwissenden niemals daran und verspotten die Dinge, die geehrt werden sollten, und oftmals wird das, was mit Spott geschieht zu ihrem Schaden wenn sie so angetroffen werden. Nicht weniger und immer, sage ich, als Ehrerbietung gebührt der wahren Tugend der alten Künste, dass die Kinder der Mutter Erfahrung irgendeine Erkenntnis finden in allen großen Dingen wie in den kleinen und kleinsten, denn so wie alle Wasser ins Meer zurückfließen, geht alle Ehre auf eine einzige Tugend zurück. Und obwohl du diesen Missbrauch der Kunst nicht schätzen solltest, weil sie am Ende die Klarheit verzehrt, bedarf es hierzu nur wenig Erkenntnis in der Kunst, denn zu dem, der auch nur den kleinsten Funken Erkenntnis in der Kunst besitzt, wird vom Unwissenden in seiner Bäuerlichkeit aufgesehen wie zu den Wipfeln der Bäume.

Wenn es jemals zu dem Ereignis kommt, dass du verwundet wirst, wenn du mit deinem Gegner kämpfst, darfst du, wie es einige wollen, kein Zeichen des Schmerzes geben oder einen Ausruf nach Heilung und solches sogar tapfer ablehnen, dass du auf diese Weise zeigst, großzügig und robust zu sein, so dass dein Schmerz deinem Gegner wenig von deiner Anfälligkeit vor ihm preisgibt. Selbst wenn der Treffer dich weiterhin quält, ist es nötig, dass du dich stark zeigst, denn alles woran du denken musst ist, niemals irgendwelche Zeichen zu manifestieren, die deinem Gegner anzeigen, dass du betroffen bist, denn wenn er erkennt dass dies dich beherrscht, wird er sofort mit doppeltem Mut angreifen, welches der wertvollste Teil im Manne ist. In diesem Fall musst du zu kunstfertigen Mitteln der Bosheit greifen, und sei ermahnt, zu wahrem Verstand, damit er mit seinem Wissen deine Geheimnisse nicht entdecke und es ihm unmöglich sei, etwas gegen deine Ehre zu unternehmen.

Also kann der, der in der Ausführung der Kunst sehr früh angeleitet und bewusst der großen Geheimnisse der Disziplin der wahren Lehre in seiner Ausübung durch sein gutes Urteil erkennen, was sein Gegner tun kann und was er alles zu seiner Zeit tun kann, und so wird der, der unterrichtet wurde und um die Zeit weiß durch Tugend die Handlung bestätigen, und wird wenig Angst vor dem Schicksal haben. So ist er am Tage der Schlacht willigen und entschlossenen Mutes, begleitet von einer sinnreichen Kunstfertigkeit seiner Gesundheit und Ehre sicher und fürchtet nichts, sondern erfreut sich im Gegenteil an seinem Tun durch den schallenden Ruhm über allem, weil die Tugend der Ehre über dem Ruhm steht und handelt in bewundernswertem Vertrauen auf die Früchte der sinnreichen Kunst des Fechtens.

Sei dir auch darüber im Klaren, dem Gegner nicht den Rücken zuzudrehen, wenn du dich in einem Kampf mit den Waffen in der Hand weißt, denn dies wäre ein schlechter Platz dies zu lernen und unwahrscheinlich im Angesicht aller Männer, die sich erheben und einen Fall von falschem Spiel daraus machen würden, was nicht nur den Ruin deines Lebens bedeuten würde, sondern auch deiner Ehre.

Diese Tugend der Kunst des Fechtens leuchtet in einer Person wie die Sterne am Firmament des Himmels. Und wenn auch jeder Mann von Natur aus die Schnelligkeit der Hände und des Verstandes annehmen kann, darf er nicht verharren sondern muss jederzeit danach streben, sich zu verbessern, seine Tugend mit Freude an der sinnreichen Kunst des Fechtens zu vermehren und darf sich nicht täuschen, indem er sich einredet, viel zu wissen, denn der Betrüger liegt oftmals zu Füßen des größeren Betrügers.

Und wenn du das Gefühl haben solltest, dass du keinen Hieb führen kannst, ohne dich für deinen Gegner zu öffnen, fürchte dich nicht, aber durch das Verwenden der üblichen Schnelligkeit wirst du also furchtbare Hiebe gegen den Gegner führen, und er wird nicht die Kraft haben, dich zu verletzen und verliere nicht die Hoffnung, sondern bleibe standhaft und stark, denn so muss derjenige es tun, der den Sieg erringen will