Über das „Spiel“

c. 12r

Die Kunst des Fechtens mit stumpfen Waffen nennt man „Spiel“ und es ist dem Spieler dabei nicht gestattet, mehr als einen Schritt zu tun, um seinen Gegner zu verletzen, nachdem er getroffen wurde.

Der Grund hierfür ist, dass es kein „Spiel“ mehr wäre, hätte er die Freiheit darüber zu entscheiden, wie viele Schritte er noch tun will, sondern es wäre ein echter Kampf.

Denn es kann vorkommen, dass ein Spieler, noch nachdem er getroffen wurde, seinem Gegner entgegentritt wie es ihm beliebt, von Wut übermannt, weil er nicht zustimmt, dass der Gegner ihn an irgendeiner Körperstelle getroffen habe und den andern dennoch irgendwie verletzen will. Und jenen, welche dies mitansehen, erscheint es oftmals unerklärlich, wie es sein kann, dass jener seinen Gegner noch so brutal angreifen und mehr als einen Schritt machen konnte.

Aber wenn ich nun behaupte, dass man nicht mehr als einen Schritt nach vorne machen darf, nachdem man getroffen wurde, und ein anderer sagt aber, er darf so viel Schritte gehen, wie er will, so antworte ich ihm, dass dies nur in der Kunst des Kampfes gebraucht wird, wo jemand verwundet wird und es seinem Willen überlassen bleibt, ob er weiter nach vorne steigt oder sich zurückzieht, wie es ihm beliebt. Aber hierbei geschieht es oftmals auch, dass jemand verwundet wird und die Absicht hat, sich an seinem Gegner zu rächen,  die Verletzung aber von solcher Natur ist, dass er sich nicht mehr bewegen kann, ja sogar zu Boden fällt.

Und deshalb soll es beim „Spiel“ nicht erlaubt sein, mehr als einen Schritt nach vorne zu machen, nachdem man einen Hieb erhalten hat, denn wenn du weitere Schritte machen wolltest, so sage ich aus dem oben genannten Grund: wären die Waffen scharf gewesen, hätte es sein können, dass du vorwärts laufen wolltest, jedoch zu Boden gefallen wärest.