Colpi

Wir haben dann also die wichtigsten und nötigsten Haltungen gezeigt, welche alle die stärksten Plätze sind um sich zu sammeln; und dann, da du das Tempo zu erfassen scheinst, kannst du ohne dich zu beschämen passend über deinen Gegner kommen; wir werden nun kurz die Anzahl, Namen und die Art der Hiebe angeben; da also das Schwert zwei Schneiden besitzt, die Dritto– und die Falso-Schneide, wie vorher schon gesagt: Ich sage, es gibt fünf grundlegende Hiebe – Mandritto, Roverso, Fendente, Punta oder Stoccata, Falso – daher einen Hieb auf irgendeine Weise quer führend, prinzipiell nur zur linken Seite des Gegners; der wertvollste darunter ist der, welcher bei seinem linken Ohr beginnt und bis zum rechten Knie hinab geht und dieser wird Mandritto genannt. Und alle Gegenstücke zu diesen werden Roverso genannt. Aber das Bewegen des Schwertes ob tief oder hoch mit Falso gegen den Gegner um einen Hieb zu führen, heißt Falso. Und um den Fendente zu formen ist nichts weiter nötig, als das Schwert zu erheben und direkt gegen den Kopf des Gegners hinab zu führen. Also gibt es zwei mehr Arten von Hieben von unten nach oben  zum Gesicht des Gegners gehen, von denen einer mit Falso getan wird und dieser wird, ob er von rechts oder von links kommt, Falso genannt. Der, der mit Dritto erhoben wird, wird Mandritto oder Roverso von unten nach oben genannt, abhängig von der Seite von der aus er bewegt wurde.

Das aber sind die vier Arten eines Angriffes mit dem Stoß. Die erste ist die Stoccata trivellata sottomano (unter der Hand), die zweite wird sopramano (über der Hand) gemacht, auf wuchtige Art, wie der Blitz herabfährt und diese heißt Imbroccata sopramano; die dritte ist eine andere Imbroccata sopramano wie die vorgenannte, aber Roversa; die vierte ist die Ferma punta; diese wird ohne starke Bewegung des Handgelenkes gestoßen.

Neben diesen fünf Hauptangriffen gibt es noch zwei andere; der eine von diesen wird Trammazono genannt, oft gebraucht im Spiel mit dem Schwert oder dem Brocchiero picciolo, welcher entsteht durch das Drehen des Gelenks der Hand, die das Schwert hält, von unten nach oben zur linken Seite auf die Art des Fendente, wie zuvor gesagt. Der andere wird Montante genannt, diesen macht man von unten nach oben auf die Art des Falso, ihn am Ende in Guardia alta erhebend.

Aber weil es in der genialen Schwertkunst halbe, ganze und verdoppelte Hiebe gibt und so Hiebe und verdoppelte Hiebe zu machen sind, werden halbe Hiebe so gemacht, dass man in eine Guardia stretta fährt und beim Bewegen des Hiebes sich in eine andere Guardia stretta legt, in dieser ruhend, mit dem Ort direkt abwehrend auf das Gesicht des Gegners zeigend und zu berücksichtigen und nicht zuletzt daher wird dieser Hieb ein halber Hieb genannt.

Den vollen Hieb machst du, dass wenn du das Schwert in einer Guardia alta hast und der Hieb beim Kopf beginnt und bei den Füßen endet und dieser wird voller Hieb genannt oder beendet, wie gesagt nennt man ihn auch den vollkommenen Hieb. Aber weil du mich jedes Mal besser verstehst, dass das Schwert in eine Guardia alta fährt und sich, einen Hieb führend, herabsenkt in eine Guardia larga, wird solch ein Hieb ein voller oder beendeter oder vollkommener genannt.

Der Anschein eines verdoppelten Hiebes erscheint auf so viele Arten und Weisen, dass ich solche Dinge nicht in einer schriftlichen Arbeit behandeln will.

Dadurch ist es, weil alle Hiebe mit oder ohne Meisterschaft landen können, zu wissen, auf welche Art sie auch treffen, sie den Gegner ohne seine Beeinträchtigung verletzen werden, was diese Hiebe ausmacht, weshalb sie vollkommene Hiebe genannt werden; und diese Hiebe, die ohne Meisterschaft gemacht werden, nämlich den Feind und dich selbst gleichermaßen verwundend, diese Hiebe werden unvollkommen genannt. Die Hiebe, die vollkommene Hiebe genannt werden kannst du noch vollkommener machen mit der größten Eleganz und Geschicklichkeit, die du aufbringen kannst. Die unvollkommenen Hiebe kannst du noch unvollkommener mit wenig Anmut und Unlust machen. Wisse, dass man all diese Hiebe sowohl vollkommen als auch unvollkommen tun kann, als diese mit mehr Agilität und Geschicklichkeit weise und kunstfertig sind als diese, die bäurisch, ungebildet und falsch gemacht werden und je mehr Schnelligkeit oder Trägheit mehr Glorie oder Schande errungen wird.

Nun haben wir endlich die verschiedenen Haltungen mit dem Schwert, die Arten, die Schwerthand zu drehen  und die schöne Art und Weise des Wissens um die Hiebe die aus diesen Posen entstehen, behandelt.

Nun sage ich also zu großem Nutzen und nicht wenig Bedarf, sondern vielmehr großer Notwendigkeit werden die Hiebe mit dem Schwert von einer leichten Drehung des Körpers begleitet, weil auf diese Art und Weise mit nur einer geringen Drehung, ein wenig den Körper begleitet von einer halben Drehung der Schwerthand im Führen des Hiebes, wie ich dir gesagt habe, von so großem Nutzen wie nichts sonst in der Kunst ist, da sie fallen können wie du meinst in diesem Werk, weil sie diese Muster in sich enthalten.