Guardie

In unbekannter Handschrift verfasste Abhandlung über das Fechten: betitelt als „Traktakt über das Fechten“

Im Namen unser aller Gott

Da es sich um eine höchst intelligente Kunst des Fechtens handelt, hängt diese von vier Hauptteilen ab, die bedeutender als die anderen sind. Diese sind Geist (Mut), Verstand (Intelligenz), Stärke und Geschicklichkeit und der, der diese vier Eigenschaften besitzt, wird niemals beschämt werden, weil es nötig ist …

Zwar kommt es allen Menschen in den Sinn, Hiebe zu führen aber nicht alle haben den Geist, sich zu verteidigen; es ist nötig, das eine wie das andere zu kennen, bevor man eine Waffe irgendwelcher Art bewegt; und die Beine aus jeder Position, die eine Person eingenommen hat, damit das hintere dem ersteren auf natürliche Weise folgt in allen möglichen Positionen der Hände und Füße da sie alle generell einen Zweck haben, und diese werden Guardie genannt, das heißt in welche ein Mann seine Person richten kann, und winkt mit einem Gruß seines Waffenarmes und die Füße folgen lassend.

Und hier ist eine Guardia, die mehr als die anderen den Kopf behütet; daher wird sie Guardia di Testa genannt: und sie wird entweder mit dem rechten oder dem linken Fuß vorgesetzt eingenommen. Und der rechte Arm sei der mit dem Schwert und den anderen vertraue einem Buckler an, damit er nicht getroffen werde, muss ebenfalls stark gegen den Feind ausgestreckt werden, nicht höher als die Schultern hoch sind, aber die mit dem Schwert bewaffnete Hand ein wenig tiefer als die mit dem Buckler gehalten.

Guardia alta wird mit dem Schwertarm stark nach oben in die Luft gehoben getan; das Schwert wird ganz nach hinten gehalten und der Bucklerarm ausgestreckt und gegen das Gesicht des Gegners gejagt. Aber die Füße, sei es der rechte oder der  linke, sei einen Gran passo vorgesetzt, aber es erscheint besonders ehrenhaft, wenn man den rechten Fuß nur vier Finger vor den linken setzt. Und hierbei wird die Ferse ein wenig von der Erde abgehoben, auf eine Weise gehalten, dass deine beiden Knie ihre Beine gerade halten ohne sich zu beugen.

Um Guardia di lioncorno einzunehmen, sogenannt, weil das Schwert auf die Art des Horns des vorgenannten Tieres nach unten zeigen muss; gehört es sich, den Schwertarm hoch zu erheben, damit der Ort des Schwertes gegen das Gesicht des Feindes abfällt und der Buckler sehr gleich vorgestoßen; aber zu den Füßen, zu unserer Freude, können wir den rechten vor den linken oder den linken vor den rechten setzen.

Bei Guardia di faccia ist es nicht anders, als bei der vorgenannten kann man den einen oder den anderen Fuß vorsetzen. Aber der Arm wird gegen den Feind ausgestreckt, nicht tiefer als die Höhe der Schulter, wie bei Guardia di testa gesagt,  auf solche Art, dass der Ort des Schwertes direkt ins Gesicht des Gegners gejagt wird und der Arm wird vom Buckler bedeckt.

Guardia di sopra braccio wird solchermaßen geformt, dass der mit dem Schwert bewaffnete Arm mit der Innenseite des Ellbogens beinahe über dem Gelenk des anderen liegt, auf solche Weise, dass der Ort des Schwertes ganz nach hinten weist. Und die Schulterspitze wird gegen den Gegner gerichtet und der Buckler stark gegen sein Gesicht gestoßen. Aber der rechte Fuß muss einen Schritt vor den linken gesetzt werden aber nur einen guten Palmo davor, ohne das vorgesetzte Knie viel zu beugen.

Wünschst du dich in Guardia di entrare zu schützen, ist es nötig den Arm so gegen den Feind auszustrecken, dass der Ort deines Schwertes sein Gesicht bedroht. Und die begleitende Hand halte eng darüber, und nicht zu weit vor deinem Kopf. Und die Füße, um immer noch starken Schutz zu ermöglichen; ist es nötig, dass der rechte leicht vor den linken gesetzt wird, mit dem Knie gut gebeugt.

Wenn man sich in Guardia di sotto braccio befinden will, ist es nötig, die Schwerthand unter dem Oberarm oder der Achsel des Bucklerarmes zu platzieren auf solche Weise, dass der Ort des Schwertes direkt nach hinten weist; und den Buckler ins Gesicht des Gegners: aber die Füße werden in jener Ordnung gehalten, wie schon bei Guardia di sopra braccio gesagt.

Die Guardia, die Porta alta di ferro genannt wird, ist so, dass der Mann, um sich in sie zu legen, sich schräg stellt, die rechte Schulter gegen die Brust des Feindes gerichtet; und den Schwertarm weit vorne mit dem Ort desselben gegen das Gesicht des Feindes, dass die Waffenhand gleichauf mit der Spitze des rechten Oberschenkels steht. Aber der Bucklerarm wird vorne auf der Höhe der Schulter gehalten um den Kopf zu schützen: nach der Haltung der Arme wollen wir die der Füße besprechen. Der rechte ist einen Gran passo vorgesetzt gegen den Feind und der linke schräg geschlossen, das eine wie das andere ein wenig gebeugt.

Jene Guardia herzustellen, die Porta stretta di ferro genannt wird, in der der Mann am engsten an den Gegner gedrückt wird, ist nicht anders als die vorgenannte, als man die rechte Schulter gegen den Feind richtet und den Schwertarm lang gegen das rechte Knie ausgestreckt um dieses zu schützen, sodass die Schwerthand nicht weit vom unteren Teil des Knies entfernt ist: und den Bucklerarm stark gegen den Gegner gejagt um den Kopf zu verteidigen. Aber der rechte Fuß wird einen Gran passo vorwärts gegen den Gegner gesetzt unter dem Schutz der Guardia. Und der linke liegt schräg, beide Knie leicht gebeugt.

Die Porta larga di ferro genannte Guardia, weil du in ihr am weitesten vom Gegner bist; wie dieser oben, lege die Hände und Füße, wie beim vorhergehenden verändere nicht die Position der Hand zum rechten Knie und richte den Ort gegen die Erde aber gehe nicht weiter hinunter mit deiner Waffenhand als bis zur Hälfte des gebeugten Knies.

Die Guardia herzustellen, die Cinghiale porta alta di ferro genannt wird, vielleicht nach dem Wildschwein, das zu seiner Verteidigung die Sohlen seiner Hauer seitwärts dreht um seinen Angreifer zu verletzen, setzt du deinen linken Fuß schräg gegen deine linke Seite, das Knie ein wenig gebeugt: und das rechte Bein einen Gran passo nach hinten, ganz ausgestreckt: und halte die Schwerthand  mit dem Ort gegen das Gesicht des Feindes gerichtet. Der Buckler aber bewacht den Kopf hoch geschlossen.

Die Guardia Cinghiare porta larga di ferro wird nicht anders geformt was die Stellung der Person betrifft, wie bei den vorhergehenden, dass die mit dem Schwert bewaffnete Hand sich nicht vom linken Knie wegbewegt, mit dem Ort gegen die Erde gerichtet, über diesem kreuzend.

Die Guardia, die Coda lunga alta genannt wird, wird so geformt, dass der Schwertarm schräg ausgestreckt wird, nicht höher als die Schultern hoch sind mit dem Ort den Gegner bewachend, nicht höher als der Buckler: dessen Arm wird stark ausgestreckt gestoßen. Der linke Fuß aber, unter dem Knie leicht gebeugt, stoppt einen Gran passo direkt gegen den Feind.

Die Guardia, die Coda lunga stretta genannt wird, zurückgezogen genannt wegen ihrer Position, obwohl das Schwert sich nicht als langer Schwanz für sich beweist, ist alles in Übereinstimmung mit der vorgenannten Position an der Außenseite, in welcher die Schwerthand gegen das linke Knie abgewinkelt wird, dem Feind entgegen unterhalb der Spitze desselben.

Gleichermaßen legt man sich auf die oben beschriebene Weise in die Coda lunga larga genannte Guardia, außer dass die Hand das Schwert mit dem Ort zur Erde gestreckt hält; und weil sein Tun wie bei den vorgenannten mit der Waffe nicht den langen Schwanz verkürzt, bekommt sie generell diesen Namen.

Wie die vorgenannten in derselben Position legt man sich in der Coda lunga lunga genannten Guardia, wenn auch die Schwerthand gut ausgestreckt mit dem Ort nach hinten gedreht wird; ich sage dass der Teil des rechten Knies einen sehr weiten Schwanz zeigen muss, woraus der Name dieser Guardia geboren wurde.

Es gibt noch eine Guardia, die Coda lunga alta genannt wird, wie die oberste dieser Aufzählung, bei welcher nicht der linke sondern der rechte Fuß einen Gran passo vorgesetzt ist und ein wenig schräg zur rechten Seite des Ausführenden, das Knie ein wenig nach unten gebeugt gehalten. Aber die Position beider Arme ist bei allen beiden Coda lunga alta die gleiche.

Genauso gibt es eine andere Coda lunga stretta, an der sich jeder erfreut; der Fuß wird nur wie zuvor gesagt gesetzt: und die Arme werden nicht verändert, das ist die andere Coda lunga stretta.

So gibt es auch eine andere Coda lunga larga; diese kann man einfach einnehmen; die Schwerthand wird an der Außenseite des rechten Knies gehalten mit dem Ort stark zur Erde ausgestreckt; und die Füße werden so gesetzt, wie zuvor beschrieben.

Genauso gibt es eine andere Coda lunga lunga, die Füße wie bei den vorangehenden gesetzt und den Arm nicht anders; das ist die andere Coda lunga lunga; nur der Bucklerarm ist stark gegen das Gesicht des Feindes vorgestoßen.

Wir  haben nun alle Positionen der Guardie benannt, die in drei Arten gefunden werden können, nämlich hohe (alte), enge (strette) und weite (large). Und damit du die hohen von den engen und den weiten zu unterscheiden weißt und die weiten von den engen und den hohen, sage ich dir, wie man sie auseinanderhält und benennen kann, welche was ist. Guardia alta, Guardia di leoncorno, Guardia de entrare, Guardia di testa, Guardia di faccia, Guardia sopra braccio – all diese sind hohe Guardie die du mit jedem Fuß verwenden kannst, den du vorsetzen willst oder die Füße oben stehend auf jede Art die du magst. Neben diesen sechs hohen Guardie gibt es noch vier weitere, die da sind: Porta alta di ferro mit dem rechten Fuß vorne, Cinghiara porta alta di ferro mit dem linken Fuß in traverso, Coda lunga alta mit dem linken Fuß vorne, Coda lunga alta mit dem rechten Fuß vorne. Somit sind es zusammen 10 hohe Guardie. Dennoch könnte man diese vier Guardie mit gleichen Füßen verwenden.

Die engen Guardie sind Porta stretta di ferro mit dem mit dem rechten Fuß vorne, Cinghiara porta stretta di ferro mit dem linken Fuß in traverso, Coda lunga stretta mit dem rechten Fuß vorne, Coda lunga stretta mit dem linken Fuß vorne. Diese vier engen Guardie habe ich oben genannt; so könntest du diese auch mit dem gleichen Fuß aufwärts tun.

Die weiten Guardie sind Porta larga di ferro mit dem rechten Fuß vorne, Cinghiara porta larga di ferro mit dem linken Fuß in traverso, Coda lunga larga mit dem rechten Fuß vorne und Coda lunga lunga. Dann gibt es noch eine Anzahl an weiten Guardie: Guardia sotto braccio mit dem rechten oder dem linken Fuß vorne oder beiden Füßen gleich. Und diese sind auch weite Guardie: Coda lunga larga mit mit dem linken Fuß vorne und Coda lunga lunga ist gleichermaßen eine weite Guardia. Du hast hier also alle hohen, engen und weiten Guardie, die mit dem Schwert in der Hand gemacht werden können.